Arbeiten unter Spannung – Worauf Sie achten sollten

Das Arbeiten unter Spannung im Niederspannungsbereich bis 1.000 Volt ist inzwischen fester Bestandteil bei Arbeiten im Bereich der elektrischen Energieversorgung. Diese Arbeiten werden ergriffen, um eine unterbrechungsfreie Energieversorgung zu gewährleisten. Sowohl Energieversorgungsunternehmen als auch Industrieunternehmen führen solche Arbeiten durch. Grundlegende Voraussetzungen um diese Art von Arbeit durchführen zu können, sind zum einen die fachliche Qualifikation und Ausbildung des Mitarbeiters und zum anderen der Einsatz von Spezialwerkzeugen und Schutzkleidung für das Arbeiten in elektrischen Anlagen.

Auf einen Blick

Arbeiten in Spannungsbereichen dürfen nur von fachlich qualifizierten Personen mit Spezialwerkzeug und Schutzkleidung durchgeführt werden dies ist wichtig um den Unfallschutz der Berufsgenossenschaften z.B. DGUV sicherzustellen.

Arbeiten unter Spannung bei Energieversorungs- und Industrieunternehmen

Im Bereich der öffentlichen Energieversorgung sind es vor allem Kabelmontagearbeiten, die unter Spannung durchgeführt werden. Hierzu zählen das Erstellen von Endmuffen, Verbindungsmuffen, Übergangsmuffen und Abzweigmuffen (siehe Bild 1). Eine Endmuffe sorgt für ein sicheres Kabelende, zum einen ist es ein wasserdichter Abschluss und zum anderen werden scharfe Kanten unschädlich gemacht. Die Verbindungsmuffe kommt zum Einsatz, wenn zwei Kabel aus dem gleichen Material verbunden werden müssen. Hingegen kommt die Übergangsmuffe zum Einsatz, wenn die zwei Kabel aus unterschiedlichem Material bestehen. Mit der Abzweigmuffe können drei Kabel miteinander verbunden werden. Darüber hinaus können hier auch Montagearbeiten an Freileitungen, Straßenbeleuchtungsanlagen und Zähleranlagen unter Spannung stattfinden. In Industrieschaltanlagen finden Arbeiten unter Spannung überwiegend an Klemmleisten und Anbauelementen sowie bei Reinigungsarbeiten statt.

[] End sleeve
[Translate to Deutsch:] Connecting sleeve
[Translate to Deutsch:] Branching cable joints

Bild 1: (v.l.n.r.) Endmuffe, Verbindungsmuffe und Abzweigmuffe

Elektrokabel vorbereiten und verbinden

Als Verbindungsmaterialen werden abhängig vom jeweiligen Anwendungsfall und Kabeltyp in der Regel Kabelabzweig-Klemmringe für Abzweigmuffen verwendet beziehungsweise Schraub- oder Pressverbinder für Übergangsmuffen.                                

 

Der Kabelabzweig-Schraubklemmring (siehe Bild 2) ermöglicht das allphasige Abzweigen eines Kabels. Dazu wird dieser einfach auf den Hauptleiter gesetzt. Zuvor muss jedoch die äußerste Mantelisolierung fachgerecht und unter Berücksichtigung der Regeln beim Arbeiten unter Spannung entfernt werden. Isolationsdurchdringende Zähne, Schneiden oder Schrauben stellen den Kontakt zu den Hauptleitern her. Eine Kontaktschraube verbindet die Abzweigleiter mit den jeweiligen Hauptleitern. 

 

Im Gegensatz zu den Klemmringen müssen bei den Schraubverbindern und Pressverbindern (siehe Bild 3) die Hauptleiter durchtrennt werden. Außerdem ist die komplette Isolierung an den Kontaktstellen für die Verbindungsschrauben zu entfernen. Es existieren verschiedene Arten von Schraubverbindern. Abhängig vom Kabeltyp und -durchmesser haben sie i.d.R. zwei oder vier Schrauben. Bei sogenannten Schraubverbindern mit Abreißschrauben reißt der Schraubenkopf beim Festziehen bei einem bestimmten Drehmoment ab. Dieses dient dem Monteur als Indikation, dass der Verbinder mit dem richtigen Drehmoment festgezogen wurde.

Kabelabzweig-Schraubklemmring

Bild 2: Kabelabzweig-Schraubklemmring von Klauke

Pressverbinder
Schraibverbinder

Bild 3: Schraub- und Pressverbinder von Klauke

Kabelverbindung mit Muffe sichern

Ähnlich wie bei den Verbindungsmaterialien gibt es auch Unterschiede bei den Muffen. Im Wesentlichen unterscheidet man hierbei Gießharzmuffen und Warmschrumpfmuffen. Bei den Warmschrumpfmuffen (siehe Bild 4) wird über jede Verbindung der Leiter eine „Innenmuffe“ gestülpt, die man mit einem Schrumpfschlauch vergleichen kann. Sie isoliert die Kontaktstellen der Kabelverbindungen gegeneinander. Darüber wird die „Außenmuffe“ gezogen. Diese ist ebenfalls eine Art Schrumpfschlauch. Sie zieht sich bei entsprechender Wärmebehandlung beispielsweise mit Hilfe eines Gasbrenners zusammen. Die Außenmuffe schützt die Verbindungsstelle vor mechanischen Einflüssen, Wasser und bietet zudem hohe elektrische Isolationswerte.

Die sogenannten Gießharzmuffen werden überwiegend für Kabelabzweigmuffen verwendet (siehe Bild 5). Dabei wird rund um die fertige Kontaktierung ein Kunststoffgehäuse angebracht. Das Gießharz befindet sich in einem Doppelkammerbeutel und wird erst durch den Monteur miteinander vermischt. Anschließend füllt er dieses durch eine Öffnung in das Gehäuse ein. Sobald die Masse ausgehärtet ist, schützt sie die Verbindung vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Kabelverbindung Schraubverbinder

Bild 4: GT GmbH, Fertigmontierte Kabelverbindung mit Schraubverbinder und Warmschrumpfmuffen

Kabelabzweigmuffe

Bild 5: Fertigmontierte Kabelabzweigmuffe mit Klemmring

Qualifikation und Ausbildung der Elektrofachkraft

[Translate to Deutsch:] Practical training for work on live systems

Um Arbeiten unter Spannung durchführen zu dürfen, muss der Monteur für diese Aufgaben besonders geschult werden. Grundvoraussetzungen für die Teilnahme an einer sogenannten „Arbeiten unter Spannung Schulung“ sind die Qualifikation zur Elektrofachkraft, Volljährigkeit, eine Erste-Hilfe-Ausbildung sowie die Feststellung der gesundheitlichen Eignung des Lehrgangteilnehmers beispielsweise durch die G 25 Untersuchung.

Eine Ausnahme ist in der BGR A3 (Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit) im Abschnitt 3.2 Ausbildung definiert. Hier heißt es wörtlich: „Darüber hinaus können auch Personen ohne Abschluss einer elektrotechnischen Berufsausbildung für die Teilnahme geeignet sein, sofern sie durch mehrjährige Tätigkeit in diesem Bereich ausreichend Kenntnisse und Erfahrungen erworben haben, um die übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen können.“ Für ausführliche Informationen zu den Ausbildungsvoraussetzungen siehe u.a. „Gesetze/Vorschriften BGR A3, 3.2.1 Voraussetzungen“.

Die Grundausbildung sowohl in der Energieversorgung als auch in der Industrie teilt sich in je einen theoretischen und einen praktischen Teil. Fachliche Inhalte in der theoretischen Grundausbildung sind u.a. Grundlagen, Gesetze und Vorschriften im Bereich Arbeitsschutz, Betriebsführung, Rechtsfolgen, organisatorische Maßnahmen und der Einsatz der persönlichen Schutzkleidung. Letzteres beinhaltet insbesondere die Auswahl, Pflege und Prüfung der persönlichen Schutzkleidung sowie die für die Arbeiten benötigten Werkzeuge und Hilfsmittel.

Im praktischen Prüfungsteil werden die Arten von Arbeiten unter Spannung geschult, die die Teilnehmer später im Berufsalltag ausführen werden.

Weitere Informationen zur theoretischen und praktischen Schulung finden Sie in der BGR A3.

Kennzeichnung der Werkzeuge, Ausrüstungen sowie der Schutz- und Hilfsmittel

Die Auswahl des richtigen Werkzeugs und Materials ist abhängig von der durchzuführenden Arbeit. Verwendet werden sollten jedoch grundsätzlich nur Werkzeuge und Hilfsmittel, die für Arbeiten unter Spannung ausgelegt und zugelassen sind. Eine Kennzeichnung auf dem Werkzeug sowie die Prüfung nach EN/IEC 60900 (VDE 0682 Teil 201) ist Vorschrift. Die Zertifizierung nach EN/IEC 60900 erfolgt durch eine Kälteschlagprüfung (bei -25˚C); die Prüfung der Haftfähigkeit des Isoliermaterials (mit 500 N) sowie eine Spannungseinzelprüfung im Wasserbad (V/AC 10.000). Kennzeichnungen können als Glockenisolator und/oder als Doppeldreieck ausgeführt sein. Die Kennzeichen stehen oft in Verbindung mit anderen Symbolen wie z.B. dem VDE-Kennzeichen oder der Spannungsangabe bis 1000 V (siehe Bilder 7, 8 und 9).

VDE-Kennzeichnung auf dem Gummiabdecktuch

Bild 7: Der Glockenisolator und VDE-Kennzeichnung auf dem Gummiabdecktuch von Klauke dokumentieren die AuS-Zulassung

Klauke Sicherheitshandschuhe

Bild 8: Das doppelte Dreieck auf den Klauke Sicherheitshandschuhen garantieren ein sicheres Arbeiten unter Spannung

[Translate to Deutsch:] Klauke fully-insulated tool set

Bild 9: Das vollisolierte Werkzeug-Set aus dem Klauke Sortiment verfügt über die 1000 V für Arbeiten unter Spannung. Gut zu erkennen ist die 2-Farb-Tauchisolierung - außen orange, innen gelb.

Einige Zangen haben auch einen erweiterten Handschutz gegen Funkenschlag (siehe Bild 10). Durch den regelmäßigen Gebrauch aber auch durch natürliche Alterung treten an den Werkzeugen und Hilfsmittel Verschleiß und Abnutzung auf. Bei Werkzeugen mit einer 2-Farb Tauchisolierung, werden Beschädigungen sofort sichtbar, da die Unterschicht eine andere Farbe aufweist (meistens gelb) als die Oberschicht (meistens orange oder rot) (Bilder 9 + 10). Daher ist es wichtig, dass diese Werkzeuge und Hilfsmittel vor jeder Benutzung auf äußerlich erkennbare Schäden und Mängel untersucht und bei Bedarf ausgetauscht werden.

[Translate to Deutsch:] Klauke protection gloves

Bild 10: Klauke Zange mit erweitertem Handschutz gegen Funkenschlag

Fazit

Seien Sie vorsichtig, handeln Sie bewusst, arbeiten Sie sicher. Bei Arbeiten unter Spannung ist nichts wichtiger als die Sicherheit! Eine qualifizierte Ausbildung ist genauso wichtig wie die Arbeit mit genormten Sicherheitswerkzeugen. Mit den zertifizierten VDE-Werkzeugen von Klauke sind Sie immer auf der sicheren Seite. Denn diese Werkzeuge sind ausnahmslos entsprechend den aktuellen Richtlinien des Sicherheitsprüfverfahrens nach EN/IEC 60900 (VDE 0682 Teil 201) gefertigt und geprüft. Sie sind damit für Wechselspannung bis 1.000 V und Gleichspannung bis 1.500 V zulässig.

 

Auch für den Mittel- und Hochspannungsbereich bietet Klauke sichere Lösungen an wie die BG-(DGUV) geprüften Sicherheitsschneidgeräten zum Schneiden von im Fehlerfall unter Spannung stehenden Kabeln (siehe Bild 11).

Klauke Sicherheitsschneidgerät ASSG

Bild 11: ASSG: BG (DGUV)-geprüfte Sicherheitsschneidgeräte